Pfingsten bedeutet für eine Europe-Seglerin eigentlich: ab nach Kiel zur YES. Doch in diesem Jahr sollte es anders kommen. Julius fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, gemeinsam mit ihm in meinem Heimatverein Pirat zu segeln.Da musste ich nicht lange überlegen. Kiel oder Dümmer? Die Entscheidung war schnell getroffen. Außerdem empfand ich die Möglichkeit, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen und mich auf einen Piraten zu schwingen, als eine richtig gute Idee.
Gesagt, getan.
Am Samstagmorgen kam Julius mit seinem Piraten zur SVH. Da der Wind leider auf sich warten ließ, konnte mir Julius in aller Ruhe zeigen, wie alles aufgebaut wird und worauf bei einem Pirat zu achten ist. Mit so vielen Segeln und vor allem Wanten habe ich normalerweise schließlich nicht viel zu tun.Da weiterhin Flaute herrschte, half ich Mareile an der Theke, damit bei den sonnigen und warmen Temperaturen alle ausreichend mit Getränken versorgt waren. Immer mal wieder kam eine leichte Brise auf, zum Regattasegeln reichte es allerdings leider nicht. Also genossen wir den Tag auf der Terrasse der SVH.
Am nächsten Morgen sollte bereits um 9:30 Uhr gestartet werden. Ganz schön früh – insbesondere, weil wir am Abend noch zu einer kleinen Party bei mir zu Hause in Eickhöpen eingeladen waren. Etwas müde, aber glücklich darüber, dass endlich Wind aufgekommen war und wir tatsächlich segeln konnten, fuhren wir am Sonntag auf den See. Bis kurz vor der Anmeldung am Startschiff waren wir uns allerdings noch nicht ganz einig, wer welche Position übernehmen sollte.
Zwar war ich bereits einmal mit Franz-Dieter eine Piratenregatta als Vorschoterin gesegelt, viel Erfahrung mit den Abläufen im vorderen Teil des Bootes hatte ich jedoch nicht. Gesteuert hatte ich einen Piraten bis dahin allerdings auch noch nie. Also testeten wir die Positionen kurzerhand aus und kamen schnell zu dem Schluss, dass sich jeder auf seiner Standardposition doch am wohlsten fühlte. Ich also an die Pinne – wie in der Europe auch – und Julius als Vorschoter vorne im Boot. Erster Start, erstes Rennen – und das lief für uns wirklich gut. Wir wurden Dritte. Dank seiner langjährigen Erfahrung rettete Julius jedes meiner noch etwas unbeholfenen Manöver und ließ uns mit einem perfekt getrimmten Boot auf jedem Kurs souverän durch die Wellen gleiten.
Mich überforderten die Abläufe im ersten Rennen noch etwas. Ein Pirat ist schließlich doch etwas ganz anderes als eine klitzekleine Europe. Im Großen und Ganzen waren wir aber sehr zufrieden und hatten vor allem jede Menge Spaß. Nach dem ersten Rennen hieß es leider erst einmal warten – auf Wind. Zunächst an Land und später noch auf dem Wasser. Da überhaupt nichts ging, nutzten wir die Pause, um uns ein wenig vom vergangenen Tag und dem schönen Abend zu erholen. Zum Glück kam dann doch noch Wind auf, sodass wir drei weitere schöne Rennen segeln konnten. In zwei dieser drei Rennen war bei uns allerdings irgendwie der Wurm drin, und wir fanden nicht richtig in unseren Wendenrhythmus.

Das letzte Rennen lief dann vom Start weg einfach genial, und wir konnten es beinahe für uns entscheiden. Erst auf der Zielkreuz wurden wir dann leider doch noch überholt. Und was machen zwei Segler, die den ganzen Tag auf dem Wasser waren? Richtig: Julius und ich ließen den Tag auf meinem kleinen Kajütboot auf dem See ausklingen und genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang.
Am Ende bedeutete das für uns Platz 3 in der Gesamtwertung, denn am Montag herrschte leider erneut Flaute.
Vielen Dank an Julius für diese Möglichkeit! Ich habe unglaublich viel gelernt und eine Menge Spaß gehabt. Piratsegeln macht wirklich Freude.
Danke auch an alle auf dem Wasser für eure Geduld mit meinen teilweise abenteuerlichen Manövern und an alle an Land für die herzliche und freundliche Atmosphäre. Ich habe mich rundum wohlgefühlt.
Auch wenn ich wohl nicht dauerhaft umsteigen werde: Gerne wieder!
Ich hoffe, der Dümmer hat euch allen gefallen und ihr kommt nächstes Jahr gerne wieder
Jessica Timm

